Skip to main content

Fluoridierung

Nach Experteneinschätzung hat das Fluorid in der Zahnpasta den wichtigsten Beitrag zur Kariesreduktion in der zivilisierten Welt geleistet.

Um die Fluoridwirkung zu erfahren, ist der Ei-Test sehr eindrucksvoll: Wird ein Ei zur Hälfte in Fluoridgel (z.B.: Elemx-Gelee) getaucht und danach in Essigwasser gelegt, löst die Essigsäure die Kalkschale des Eies nur dort auf, wo kein Fluoridgel gewesen ist....

Um zu begreifen, wie das Fluorid wirkt, hilft die Geschichte von den Haifischzähnen: Zahnschmelz besteht aus Kristallen, die aus einer Mischung verschiedener Mineralien aufgebaut sind. Die härteste und widerstandsfähigste Mineralsorte ist der Fluor-Apatit. Lange Zeit dachte man folgerichtig: Je höher der Fluorapatit-Anteil im Schmelz wäre, um so kariesresistenter müssten eigentlich auch die Zähne sein. Man empfahl sogar Schwangeren, Fluoridtabletten zu schlucken und hoffte, so die Zahnentwicklung des Kindes bereits im Uterus verbessern zu können. Doch dann kam die Erkenntnis mit den Haifischen: Diese sind nämlich die einzigen Tiere, deren Zähne aus fast reinem Fluorapatit bestehen. Forscher legten Haifischzähne in eine Lösung mit Kariesbakterien bzw. deren Säureausscheidungen und mussten feststellten, dass auch Haifischzähne von Karies zerstört werden!

Seither weiß man:

  • Nicht der Gehalt an Fluorapatit im gewachsenen Schmelzgefüge ist für den Kariesschutz verantwortlich, sondern das reaktionsfähige Fluorid an der Zahnoberfläche.
  • Somit bedarf es einer stetigen, lebenslangen Fluoridzufuhr.
  • Fluoriddarreichungen wirken nicht „von innen“, sondern nur im Kontakt  zur Zahnoberfläche. Auch Fluoridtabletten oder –Salz gelangen entweder während des Lutschens/Essens direkt an die Zahn­oberflächen, oder indirekt, da sie vom Körper unter anderem über den Speichel wieder ausgeschieden werden.

Die Ungefährlichkeit von Fluorid in den empfohlenen Dosierungen ist heute bewiesen. Zu bedenken ist lediglich, dass bei zu hohen Fluoridgaben vor dem 6. Lebensjahr eine Dentalfluorose (Überverkalkung der Schmelzoberfläche an den bleibenden Zähnen entstehen kann. Diese Erscheinung ist harmlos, aber ästhetisch beeinträchtigend und man befürchtet, dass ihr Auftreten die Akzeptanz der Fluoridprophylaxe in der Bevölkerung senken würde.

Daher wurden von der Deutsche Gesellschaft für Zahn-Mund- und Kieferheilkunde folgenden zurück­haltenden Empfehlungen für die Fluoridprophylaxe herausgegeben:

  • Ab Zahndurchbruch sollten die Eltern die Kinderzähne zunächst 1xtäglich mit einer maximal erbsengroßen Menge Kinderzahnpasta (mit reduziertem Fluoridgehalt) putzen.
  • Neben fluoridierter Zahnpasta sollten Fluoridtabletten nicht mehr verwendet werden.
  • Ab dem 2. Geburtstag sollte 2xtäglich geputzt werden.
  • Zusätzlich wird die ausschließliche Verwendung (jodierten und) fluoridierten Speisesalzes im Haushalt empfohlen, was inzwischen bereits jeder zweite Haushalt befolgt.
  • Ab dem Schuleintritt sollte vollfluoridierte Erwachsenenzahnpasta verwendet werden.
  • Die zusätzliche Anwendung von Fluorid-gelees, -lacken oder –lösungen sollte nur nach zahnärztlicher Anweisung z.B. bei erhöhtem Kariesrisiko und im Rahmen gruppenprophylaktischen Maßnahmen erfolgen.